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Religiöse Sprache der Lernenden

Verschiedene Einzelprojekte widmen sich der systematischen sprachempirischen Erforschung der "großen Unbekannten": der subjektiven religiösen Sprache, wie sie heute in unterschiedlichen Kontexten gesprochen wird.

 

Was sagt mir „Gott“? Schülerinnen und Schüler schreiben über ihre Gottesvorstellungen

Ohne Zweifel steht die Gottesfrage im Mittelpunkt religionspädagogischer Theorie und Praxis. Als grundlegende Zielvorstellung ist sie zugleich so etwas wie ein Prüfstein der Gegenwartstauglichkeit religionspädagogischer Bemühungen. In diesem Sinn stellt etwa Norbert Mette die Frage, ob und inwiefern es für Menschen im heutigen gesellschaftlichen Kontext der „Gotteskrise“  überhaupt noch Anknüpfungspunkte gibt, über die sie die Rede von Gott im christlichen Verständnis als für sie sinn- und bedeutungsvoll zu vernehmen vermögen. Anhand eines Korpus von Schülertexten stellt die Studie die Frage: Welche Merkmale kennzeichnen die Sprache, die Schülerinnen und Schüler benutzen, wenn sie ihre Gottesvorstellungen schriftlich artikulieren, und worin unterscheidet sich diese von der in öffentlicher Gottesrede verwendeten Sprache?

    • Korpus: 2186 Texte von Schülerinnen und Schülern zum Thema „Was sagt mit ‚Gott’?“, Quelle: Dokumentation der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“, Entstehungszeitraum: 2005-2008
    • Veröffentlichungen:
  1. Fremdsprache Religion? (2011)
  2. Exploring the Unknown: The Language Use of German RE-Students writing Texts about God. In: British Journal of Religious Education (under review).
  3. Die (religiöse) Sprache der Lernenden. Sprachempirische Zugänge zu einer großen Unbekannten. In: Becker-Mrotzek, Michael; Schramm, Karen; Thürmann, Eike; Vollmer, Helmut J. (Hrsg.), Sprache im Fach – Sprachlichkeit und fachliches Lernen. Münster 2012 (= Fachdidaktische Forschungen), im Druck
  4. New Ways of Exploring God-Talk Based on Empirical Evidence. In: Religious Education Journal of Australia 27 (2011) 3-8.

     

    Gott ansprechen im Gebet. Gebetssprache von Jugendlichen und liturgischer Texte im Vergleich

    Das Gebet ist eine Elementarform religiöser Sprache und als solche ein religions- und zeitübergreifendes Phänomen. Sowohl theologisch als auch aus der Perspektive von Jugendlichen ist die kommunikative Beziehung Gott-Mensch für das Gebet von zentraler Bedeutung. Offen bleibt allerdings die Frage, in welcher Sprache Jugendliche diese Beziehung artikulieren und ob hierin Unterschiede zu Formen öffentlichen, kirchlichen Betens bestehen. Diesem Problemzusammenhang widmet sich die Forschungsfrage der Studie: Welche Merkmale kennzeichnen die Gebetssprache von Jugendlichen, und worin unterscheidet sich diese von der in öffentlicher, näherhin liturgischer Gebetspraxis verwendeten Sprache?

      • Korpus: 307 Gebetstexte von Jugendlichen der kirchlichen Jugendarbeit (Gebetsaktion „Wie
        betest du?“), Quelle: Dokumentation des Bistums Münster, Hauptabteilung Seelsorge des Bischöflichen Generalvikariats, Entstehungszeitraum: Herbst 2007 bis Mai 2008
      • Veröffentlichung: Fremdsprache Religion? (2011)

     

    Sprachformen der Rede von Gott als dem Schöpfer

    Häufig lässt sich im Religionsunterricht eine Spannung beobachten, die insbesondere mit dem Thema Schöpfung verbunden scheint: auf der einen Seite ein offenes Interesse für die Welt des Religiösen, die nicht selten als ein Gefühl beschrieben wird – auf der anderen Seite aber auch eine Skepsis gegenüber den in den Religionen überlieferten Ausdrucksformen dieser inneren Welt, die als ein befremdliches, vielleicht naives Lehrgebäude wahrgenommen werden, das einen weder verlässlichen noch schlüssigen Zugang zur Realität vermittelt. Ist von daher das Thema Schöpfung im Religionsunterricht als zwar theologisch zweifellos zentral, praktisch aber aussichtslos einzuschätzen? Auf der Suche nach einer anschlussfähigen theologischen Rede von Schöpfung stellt die Studie die nur scheinbar naive Frage, in welcher Weise denn überhaupt Schülerinnen und Schüler selbst von der Schöpfung sprechen und was schöpfungsdidaktisch daraus zu lernen wäre.

      • Korpus: 2186 Texte von Schülerinnen und Schülern zum Thema „Was sagt mit ‚Gott’?“; Auswahl von Texten, in denen Wörter aus dem Wortfeld "Schöpfung" vorkommen (n=337), Quelle: Dokumentation der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“, Entstehungszeitraum: 2005-2008
      • Veröffentlichung: Schöpfung im Religionsunterricht: Dilemma oder Chance? In: rhs 54 (2011) 295-303.

     

    „Sprache der Erinnerung“

    Erinnerungskultur hat einen gesellschaftlichen Raum, in dem sie stattfindet. Dieser wird wesentlich geprägt von den Formen öffentlichen Erinnerns und Gedenkens, wie etwa ritualisierte Gedenkveranstaltungen, die anlässlich wiederkehrender Gedenktage bewusst Zeichen einer gesellschaftlichen Erinnerungskultur setzen. Aber erfüllen sie tatsächlich diese Aufgabe? Gegenstand der Untersuchung sind öffentliche Reden bzw. Predigten von Politikern und Kirchenvertretern zum Gedenktag des Kriegsendes, die mit Reden verglichen wurden, die zum gleichen Anlass von Jugendlichen im Alter von dreizehn bis fünfzehn Jahren der neunten Klasse eines Bonner Gymnasiums verfasst werden. Die dreifache Fragestellung lautet: 1) Welche Sprache kennzeichnet die öffentliche Erinnerungskultur, 2) welche Sprache wählen Jugendliche in einer vergleichbaren Erinnerungssituation, und 3) wie unterscheiden sich diese öffentlichen und individuellen Zugänge zur Erinnerung auf der Ebene der verwendeten Sprache?.

      • Korpus: „Sprache des Erinnerns“ aus 32 Gedenkreden von Politikern/Kirchenvertretern der Jahre 1985-2005 und 22 Schülerreden einer 9. Klasse eines Bonner Gymnasiums (2006 entstanden) – Details
      • Veröffentlichungen:
        1) Looking for a language to remember the Holocaust. In: Religious Education Journal of Australia 24 (2008) 28-33.
        2) mit Boschki, Reinhold, „Sich herauslösen aus der Sprache, die hier gilt“ (Imre Kertész). Erinnerungslernen unter den Bedingungen öffentlicher Gedenkkultur. In: JBTh 22/2007, 381-409.

     

     

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